Verkehrsinformationen

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Einleitung[Bearbeiten]

Verkehrsinformationen (engl. traffic information) sind Hinweise an LFZ über die Präsenz anderer LFZ in ihrer Umgebung. Sie sind neben der Flugverkehrskontrolle ein wichtiges Hilfsmittel zur Separation und der Aufrechterhaltung eines effizienten Verkehrsflusses.

Verkehrsinformationen werden nach einem definierten Schema übermittelt, das so prägnant wie möglich folgende Fragen beantwortet:

  • Wo ist der Verkehr?
  • In welcher Entfernung
  • In welcher Höhe befindet sich der Verkehr?
  • Um welchen Flugzeug-/Wirbelschleppentyp handelt es sich?
  • Wohin bewegt sich das LFZ?
Im Zuge der Vorbereitung auf die ADC Prüfung wird die Wichtigkeit korrekt gegebener Verkehrsinformationen deutlich. Kommen sich in zwei VFR Flieger in der Kontrollzone zu nahe und erhalten keine Traffic Information kann dies als „Loss of Separation“ gelten. Hat der Tower-Lotse jedoch richtigerweise eine Traffic Information vergeben UND die Flieger haben sich gegenseitig in Sicht kann dies ausreichen, um von einer aufrechten Separation zu sprechen.

Informationsquellen[Bearbeiten]

Je nach Position und Ausrüstung des Flugverkehrsleiters fällt die Beurteilung der Verkehrslage unterschiedlich genau aus. Unkontrollierte oder kleinere kontrollierte Flugplätze haben unter Umständen kein Radar zur Verfügung. Die Verkehrsbeobachtung erfolgt daher ausschließlich über den direkten Sichtkontakt. Zusätzlich können Meldungen von den Piloten selbst helfen, die Situation einzuschätzen und entsprechend reagieren zu können.

Die meisten Tower-, Approach- und ACC-Positionen können bei der Vergabe von Traffic Information auf ihren Radarschirm zurückgreifen.

Obwohl mithilfe des Radars sehr genaue Positions- und Höhenbestimmungen für eine Vielzahl von Luftfahrzeugen angestellt werden können, entbindet das den Lotsen - besonders im Nahbereich eines Flugplatzes - nicht davon, visuelle Observation und Beobachtungen anderer LFZ zu berücksichtigen.


Die Informationsquelle für den ATCo ist daher eine Kombination aus:
  • Visuelle Observation
  • Radardaten
  • Meldungen anderer Piloten oder ATC-Stationen

Anwendungsbereiche[Bearbeiten]

Je nachdem, ob ein Flug im kontrollierten oder unkontrollierten Luftraum durchgeführt wird, gelten unterschiedliche Bestimmungen zur Vergabe von Flugverkehrsinformationen.

Im Allgemeinen sollte die ATC-Station demnach unaufgefordert folgenden Luftfahrzeugen Traffic Information zukommen lassen:
  • VFR-Fliegern im Luftraum C und D
  • allen IFR-Fliegern, sofern erforderlich

Wenn es die Workload zulässt, sollten auch an VFR-Fliegern im Luftraum E Verkehrsinformationen vergeben werden.

Aufbau einer Verkehrsinformationsmeldung[Bearbeiten]

  1. Rufzeichen des Luftfahrzeugs, an das die Information übermittelt wird
  2. Die Worte "VERKEHR [IST]" bzw. "TRAFFIC [IS]"
  3. Position des Verkehrs
  4. Entfernung des Verkehrs
  5. Bewegungsrichtung bzw. Vorhaben des Verkehrs
  6. Beschreibung des Verkehrs, die die Erkennung des Verkehrs für den Piloten erleichtert (u.a. LFZ-Typ, Wake Turbulence Category, Farbe, etc.)
  7. Flughöhe
Bei Bedarf können bestimmte Teile der Meldung entfallen (z. B. bei Verkehrsinformationen am Boden oder in der Platzrunde) oder die Reihenfolge aus Sicherheitsgründen abgeändert werden.

Position des Verkehrs[Bearbeiten]

Hierbei kann man relativ von absolut unterscheiden, wobei relativ immer aus der Sicht des gerade informierten Piloten ausgeht, während absolut für alle Luftfahrzeuge gleichbedeutend ist. Klingt kompliziert – ist es nicht!

  • Relativ – Uhrzeiten (O’Clock-Position)
  • Absolut - Platzrundenabschnitte, Pisten, Rollwege, Parkpositionen

Beispiele:

  • "[...] FOUR O'CLOCK [...]"
  • "[...] SHORT FINAL RUNWAY 34 [...]"
  • "[...] TAXIWAY MIKE [...]"

Entfernung des Verkehrs[Bearbeiten]

… wird zumeist in Nautischen Meilen (NM) angegeben, kann aber, gerade wenn die Separation nicht horizontal, sondern vertikal vorliegt, auch in Fuß angegeben werden. Bei absoluten Positionsangaben (siehe oben) kann die Entfernungsmeldung auch entfallen. Beispiele:

  • "[...] THREE MILES [...]"

Absichten des Verkehrs[Bearbeiten]

Etwas zweideutige Überschrift – ich gebe es zu. Der Pilot soll auch über die Bewegungsrichtung bzw. Vorhaben des konfliktären Verkehrs informiert werden, um seine „situational awareness“ zu behalten. Beispiele:

  • "[...] OVERTAKING [...]"
  • "[...] CROSSING RIGHT TO LEFT/LEFT TO RIGHT [...]"
  • "[...] OPPOSITE/SAME DIRECTION [...]"
  • "[...] CLOSING [...]"
  • "[...] CLIMBING/DESCENDING [...]"
  • "[...] SLOW/FAST [MOVING] [...]"

Luftfahrzeugtyp[Bearbeiten]

Um Verwechslungen vorzubeugen empfiehlt es sich den Aircraft Type so genau wie möglich zu nennen. Sollte dies nicht möglich sein, sollte zumindest die Wirbelschleppenkategorie genannt werden. Beispiele:

  • "[...] AIRBUS A321 [...]"
  • "[...] (VFR) LIGHT TYPE AIRCRAFT [...]"

Flughöhe[Bearbeiten]

Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten, die Flughöhe des Verkehrs zu übermitteln.

  • "[...] 3500 FEET [...]"
  • "[...] 1000 FEET ABOVE/BELOW [...]"
  • "[...] CLIMBING/DESCENDING [...]"
  • "[...] LEVEL UNKNOWN/LEVEL (number) NOT VERIFIED [...]"

Handlungsempfehlungen[Bearbeiten]

Nachdem die Verkehrsinformation nun vollständig übermittelt wurde soll sich der Lotse zuerst vergewissern ob der Pilot den Verkehr überhaupt in Sicht hat. Falls ja – gut! Falls nein – weniger gut! Achtung: Es kann aber in beiden Fällen notwendig sein, andere Hilfsmittel zur Hand zu nehmen um den Verkehr zu separieren. Insbesondere natürlich, wenn sich die Piloten nicht in Sicht haben beziehungsweise auch dann, wenn sie sich in Sicht haben, aber dennoch zu nahe kommen. Die Spanne an Möglichkeiten ist relativ breit, weshalb eine gewisse Flexibilität vorausgesetzt wird. Spätestens in der Praxis oder bei einem Training wir dir ein Trainer einige Möglichkeiten vorstellen. Kurz gesagt können folgende Mittel angewandt werden, wobei die Traffic Information immer vorausgehen muss!

  • Kreisen/Vollkreis/VFR-Holdings
  ATC: "OEAEE, ORBIT LEFT."
  • Verlängerung eines Platzrundenteils
  ATC: "OEAEE, EXTEND DOWNWIND RUNWAY 29."
  • Höhenbänder
  ATC: "OEAEE, MAINTAIN 1500 FEET OR BELOW."
  • Direktflug zu Pflichtmeldepunkten/Bedarfsmeldepunkten
  ATC: "OEAEE, PROCEED DIRECT UNTERWALTERSDORF."

Die hier angeführten Möglichkeiten können jedenfalls angewandt werden, also wenn der Verkehr in Sicht ist oder auch nicht. Abgesehen davon gibt es aber auch noch eine bisschen „flexiblere“ Möglichkeit, die allerdings ein „In Sicht haben“ voraussetzt.

  • Hinterherfliegen
  ATC: "OEAEE, FOLLOW MENTIONED TRAFFIC INTO FINAL RUNWAY 34, CAUTION WAKE TURBULENCE."

Kurze Erläuterung dazu: Man stelle sich einen VFR Light Type Flieger im Gegenanflug der Piste 34 in LOWW vor. Außerdem befindet sich ein A320 im Endanflug auf die Piste 34. Nach erfolgreicher Traffic Information für die VFR-Verkehr über den A320 und „In Sight – Meldung“ weisen wir also an, dass der VFR-Verkehr nach dem A320 in den Endanflug drehen darf. Essentiell ist aber der Hinweis auf die Wirbelschleppen. Es muss bewusst sein, dass oben genannte Möglichkeiten keine Schablone darstellen, die auf jede Situation anwendbar sind. Eure Flexibilität ist gefragt, wenngleich ihr mit dem Lesen dieses Artikels sicher einen guten Grundstein gelegt habt.

Praktische Beispiele[Bearbeiten]

Beispiel 1[Bearbeiten]

Ausgangslage - VFR Traffic im Pattern Piste 34, ein weiterer Inbound IFR Traffic

  ATC: "OEAEE, TRAFFIC, TWO O'CLOCK, 4 MILES, AIRBUS A321, FINAL RUNWAY 34, [REPORT IN SIGHT]."
  LFZ: "OEAEE, TRAFFIC IN SIGHT"
  ATC: "OEAEE, NUMBER 2, FOLLOW MENTIONED TRAFFIC INTO FINAL RUNWAY 34, CAUTION WAKE TURBULENCE.”

Variante:

  LFZ: "OEAEE – TRAFFIC NOT IN SIGHT / LOOKING OUT."
  ATC: "OEAEE, EXTEND DOWNWIND RUNWAY 34
  oder "OEAEE, PROCEED DIRECT PETRONELL AND ORBIT LEFT.”

Beispiel 2[Bearbeiten]

Ausgangslage – VFR Traffic Ausflug aus CTR, ein weiterer VFR Traffic Inbound CTR, selbe Route

  ATC: "OEAEE, LEAVE CONTROL ZONE VIA VFR ROUTE KLOSTERNEUBURG, 1500 FEET OR BELOW.”
  ATC: "OEVJF, ENTER CONTROL ZONE VIA VFR ROUTE KLOSTERNEUBURG, BETWEEN 2000 FEET and 2500 FEET, BREAK, TRAFFIC, 11 O'CLOCK, 5 MILES, CESSNA 172, OPPOSITE DIRECTION CROSSING BELOW, 1500 FEET.”

Abschließend lässt sich festhalten, dass die oben beschrieben Bestandteile der Traffic Information relativ strikt anzuwenden sind, während die „Bausteine“ zur Seperation des Verkehrs in verschiedener Art und Weise zusammengesetzt werden können.