Tower

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Version vom 18. Mai 2020, 07:43 Uhr von 533313 (Diskussion | Beiträge)$7

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Der Tower-Lotse ist für alle Start und Landebahnen sowie für alle Flugbewegungen in der Kontrollzone zuständig.

Auf IVAO loggt man sich wiederum mit der Flughafen-/und Positionskennung ein. Beispiel für Wien Tower: LOWW_TWR

Falls kein Delivery- oder Ground-Lotse online ist, übernimmt der Tower auch deren Aufgaben.

Allgemeines

Auswahl der Betriebspiste

Der Tower-Lotse hat die Verantwortung über die Wahl der Betriebspisten. Das heißt, dass der Tower entscheidet, welche Piste(n) zum Starten und welche zum Landen verwendet werden.

Grundsätzlich starten Flugzeuge immer gegen den Wind (weil der Gegenwind Auftrieb erzeugt) und landen gegen den Wind (weil der Gegenwind das Flugzeug abbremst). Generell wird also immer die Piste mit dem höheren Gegenwindanteil geöffnet. Von dieser Regel gibt es je nach Flughafen einige Ausnahmen, die in den Prozeduren erklärt sind.

Zur Wahl der Betriebspiste wird das Wetter aus dem METAR herangezogen. Die Gegenwindkomponente kann mittels folgender Formel aus der Windrichtung und der Ausrichtung der Piste errechnet werden:

  Gegenwindkomponente = cos(Windrichtung-Kurs der Piste)*Windgeschwindigkeit

Beispiel: Wir möchten die Betriebspiste für den Flughafen Linz auswählen. Im METAR steht eine Windinformation von "29015KT".
Im Klartext bedeutet das, der Wind bläst aus einer Richtung von 290 Grad kommt und mit einer Windstärke von 15 Knoten bläst.
In Linz haben wir 2 Richtungen der Start-/Landebahn zur Verfügung: Piste 08 oder Piste 26.

  Gegenwindkomponente Piste 08 = cos(290°-080°)*15kt = cos(210°)*15kt = ca. - 13 Knoten (das Minus steht logischerweise für Rückenwind)
  Gegenwindkomponente Piste 26 = cos(290°-260°)*15kt = cos(30°)*15kt = ca. 13 Knoten 

Wir entscheiden uns für die Piste 26, da wir mit einer möglichst großen Gegenwindkomponente starten wollen. Als einfach Faustregel kann man einfach die Windrichtung aus der METAR mit der Ausrichtung der Piste vergleichen. 290 Grad liegt näher bi 260°, als bei 80°.

Unsere Entscheidung (Starts/Departures und Landungen/Arrivals auf der Piste 26) schreiben wir in unsere ATIS, damit die Piloten diese Information erhalten.

Sichtflug-Wetterbedingungen

Um Sichtflüge (VFR-Flüge) durchführen zu können, müssen die Sichtflugwetterbedingungen (engl. visual meteorological conditions, kurz: VMC) erfüllt sein.

Sind diese Bedingungen in der Kontrollzone nicht erfüllt, dann können unter bestimmten Umständen Sondersichtflugregeln (SVFR) angewendet werden.

Koordination

Koordination mit Delivery (DEL)

Der Tower muss dem Delivery-Lotsen wichtige Infos (z.B. Änderung der Betriebspiste oder Sperre der Abflugpiste etc.) möglichst frühzeitig mitteilen, damit neue Freigaben ausgegeben werden können.

Koordination mit Ground (GND)

  • Abflüge übergibt Ground dem Tower kurz vor dem Pistenrollhalt.
  • Anflüge übergibt der Tower dem Ground, nachdem das Flugzeug die Piste verlassen hat.
  • Änderungen der Betriebspiste sind frühzeitig an den Ground zu übermitteln, damit die Verkehrsfluss auf den Rollwegen entsprechend angepasst wird.

Koordination mit Radar (APP/CTR)

Der Radar-Controller lotst die Anflüge auf den Endanflug (meistens als ILS-Anflug) und übergibt sie an den Tower. Außerdem übergibt der Tower dem Radar alle Abflüge, sobald sie in der Luft sind und auf einer sicheren Höhe von etwa 2000 Fuß AGL sind (siehe Flughafen-Prozeduren für Abweichungen). Durchstartende Flieger, Notfälle, gesperrte Pisten usw. müssen dem Radar-Lotsen so früh wie möglich mitgeteilt werden. Die Wahl der Betriebspiste sollte immer mit dem Approach-Lotsen abgesprochen werden; er hat einen besseren Überblick über den zu erwartenden anfliegenden Verkehr. Außerdem sollte bedacht werden, dass eine Änderung der Betriebspiste während einer Anflugsequenz keine ideale Idee ist, da sich daraus unter Umständen große Verspätungen für die Piloten ergeben. Idealerweise sollte ein Betriebspistenwechsel nur bei wenig Verkehr und wenn es der Wind erfordert, vorgenommen werden.

Staffelung

Der Towerlotse muss bei startenden Fliegern auf die Wirbelschleppenstaffelung Rücksicht nehmen.

Darüber hinaus ist es die Hauptaufgabe des Tower-Controllers, Ab- und Anflüge mit möglichst wenig Verzögerung zu managen. Das erfordert jedoch viel Erfahrung. Bei hohem Verkehrsaufkommen empfehlen sich auch sogenannte Konditionelle Freigaben, z. B. eine Line-Up-Clearance hinter einem anfliegenden LFZ.

Zusätzlich muss der Tower-Lotse Sichtfliegern (VFR-Verkehr) Verkehrsinformationen durchgeben, damit sie ausreichend Abstand zu IFR- und anderem VFR-Verkehr halten. VFR-Flugzeuge bei viel IFR-Verkehr in die Staffelung zu integrieren ist oft eine große Herausforderung. Bei viel Traffic kann man sich mit dem Radarlotsen abstimmen, dass er größere Abstände zwischen den Anflügen (Inbounds) aufbaut.

Prioritäten

Aus praktischen Gründen sollte auf Verkehrsflughäfen IFR-Fliegern eine höhere Priorität zugewiesen werden. Ein Vollkreis für einen VFR-Flieger dauert 2 Minuten, ein Go-Around mit anschließendem Vectoring nimmt mindestens 10 Minuten in Anspruch. VFR-Verkehr ist in der Regel wendiger und kann flexibler handgehabt werden.

Übernimmt der Tower auch den Delivery- und Ground-Bereich mit, gilt die Vorrangregel "fliegend vor rollend vor stehend".

Der Spruch bedeutet, dass man sich zuerst um den fliegenden Verkehr kümmern muss, z. B. Landefreigaben erteilen. Rollender Verkehr hat Vorrang vor stehendem Verkehr, das heißt z. B. zuerst Taxi-Instructions zum Gate vergeben, bevor parkende Flugzeuge ihre IFR-Streckenfreigabe bekommen.

Ganz wichtig: Emergencies (also Notfälle) haben natürlich immer Vorrang.

Funkbeispiele

IFR Abflug

Line-Up

  LFZ: WIEN TOWER, AUSTRIAN 5PM [READY FOR DEPARTURE (RUNWAY __)/HOLDING POINT __]
  ATC: AUSTRIAN 5PM, WIEN TOWER, LINE UP RUNWAY 29
  LFZ: LINING UP RUNWAY 29, AUSTRIAN 5PM

Conditional Line-Up

  LFZ: WIEN TOWER, AUSTRIAN 5PM [READY FOR DEPARTURE (RUNWAY __)/HOLDING POINT __]
  ATC: AUSTRIAN 5PM, WIEN TOWER, BEHIND LANDING AIRBUS A320 ON SHORT FINAL LINE UP RUNWAY 29 BEHIND
  LFZ: BEHIND LANDING AIRBUS A320 ON SHORT FINAL LINE UP RUNWAY 29 'BEHIND, AUSTRIAN 5PM 

Takeoff Clearance

  ATC: AUSTRIAN 5PM, Wind 320 DEGREES 19 KNOTS, RUNWAY 29 CLEARED FOR TAKEOFF 
  LFZ: RUNWAY 29 CLEARED FOR TAKEOFF, AUSTRIAN 5PM 

Handoff zum Radar-Lotsen

  ATC: AUSTRIAN 5PM, CONTACT WIEN RADAR 134.675 
  LFZ: CONTACTING WIEN RADAR 134.675, AUSTRIAN 5PM 

IFR Anflug

Fortsetzen des Anflugs

  LFZ: WIEN TOWER, AUSTRIAN 5HZ [ILS 34]
  ATC: AUSTRIAN 5HZ, WIEN TOWER, WIND 320 DEGREES 8 KNOTS, CONTINUE APPROACH [PREPARE FOR POSSIBLE GO-AROUND]
  (LFZ: [PREPARE FOR POSSIBLE GO-AROUND], AUSTRIAN 5HZ)

Landefreigabe

  LFZ: WIEN TOWER, AUSTRIAN 5HZ [ILS 34] 
  ATC: AUSTRIAN 5HZ, WIEN TOWER, WIND 320 DEGREES 8 KNOTS, RUNWAY 34, CLEARED TO LAND 
  LFZ: CLEARED TO LAND RUNWAY 34, AUSTRIAN 5HZ

Go Around (Vom ATC ausgehend)

  ATC: AUSTRIAN 5HZ, GO AROUND [Reason] 
  LFZ: GOING AROUNDn AUSTRIAN 5HZ

Go Around (Vom Piloten ausgehend)

  LFZ: AUSTRIAN 5HZ, GOING AROUND
  ATC: AUSTRIAN 5HZ, ROGER
Anmerkung: Da bei einem Go-Around im Cockpit viele Handgriffe in kurzer Zeit zu erledigen sind, ist die Meldung des Piloten vorerst nur mit "ROGER" zu quittieren. Anweisungen wie "Follow published Missed Approach Procedure" sind hier nicht angebracht, da sie redundant sind.

Sobald der Flieger eine sichere Höhe erreicht hat, etwa 2000ft

  ATC: AUSTRIAN 5PM, CONTACT WIEN RADAR 134.675.
  LFZ: CONTACTING WIEN RADAR 134.675, AUSTRIAN 5PM

Handoff zum Ground

  ATC: AUSTRIAN 5HZ, CONTACT WIEN GROUND 121.6 
  LFZ: CONTACTING WIEN GROUND 121.6

VFR