Einführung Sprechfunk

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Einleitung[Bearbeiten]

Damit Fluglotsen mit den Piloten, für die sie zuständig sind, kommunizeren können, führen bis auf wenige Ausnahmen alle Luftfahrzeuge in der realen Flugwelt ein Funkgerät mit.

Auf IVAO funktioniert es ähnlich. Bei uns braucht jedoch niemand ein Funkgerät. Die Pilotensoftware IvAp bildet zusammen mit dem TeamSpeak 2 eine vereinfachte Form des Frequenzensystems. Hier werden online Server erstellt, in denen Mitteilungen mittels VoIp an die jeweiligen Stationen weitergeleitet wird. Bei entsprechendem Rasten der jeweiligen Frequenz im Cockpit erstellt das IvAp eine Verbindung zum TeamSpeak-Server und die Kommunikation kann beginnen.

Sprache[Bearbeiten]

Der internationale Flugfunk findet grunsätzlich immer auf Englisch statt. Zusätzlich dürfen sogenannte ICAO-Sprachen (Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch) verwendet werden. Trotzdem bleibt Englisch die primär genutzte Sprache! VFR-Flieger dürfen jedoch auch in der Landessprache funken.

Aussprache[Bearbeiten]

Der Flugfunk ist durch die Amplitudenmodulation in der Verständlichkeit deutlich eingeschränkt. Um trotzdem alle Funksprüche zu verstehen und mehrfaches Nachfragen zu vermeiden ist es wichtig, eine konstante Sprechgeschwindigkeit einzuhalten und wichtige Wörter und Zahlenkombinationen sauber zu betonen. Zum Verständnis von Meldungen wurden zusätzlich einige Aussprache-Regeln festgelegt:

Buchstaben

Buchstaben werden nicht wie gewöhnlich phonetisch ausgesprochen, sondern nach einem speziellen Alphabet, dem sogenannten NATO-Alphabet. Dort wurden jedem Buchstaben einfach auszusprechende Referenzwörter zugewiesen: z.B. A --> Alpha, B --> Bravo, etc. Registrierungen von Luftfahrzeugen, Wegpunkte, Navigationseinrichtungen und Flughafencodes werden mittels diesem Alphabet kommuniziert. Beispiele:

 OE-KFV: Oscar-Echo-Kilo-Foxtrott-Vicor
 LOWK (Klagenfurt): Lima-Oscar-Whiskey-Kilo
 SBG (Salzburg VOR): Sierra-Bravo-Golf

Landebahnbezeichnungen wie z.B. 26L, 26R etc. sind von dieser Regelung ausgenommen und werden als Left, Right und Center bezeichnet.

Zahlen

Um Missverständnisse auszuschließen spricht man im Flugfunk jede Zahl einzeln aus. Z.B. Kurs 175 --> one-seven-five

Zusätzlich gibt es noch zusätzliche Regelungen:

  • Die Zahl 2 wird beim Funken auf Deutsch als zwo ausgesprochen, um eine Verwechslung mit "drei" auszuschließen
  • Die Zahl 3 wird beim Funken auf Englisch als tree ausgeprochen. Lispellaute wie th erzeugen beim Funken unangenehme Geräusche und werden somit wenn möglich vermieden.
  • Die Zahl 9 wird beim Funken auf Englisch als nainer ausgeprochen (geschrieben: niner)
  • Glatte Hunderter werden auch als solche ausgesprochen (z.B. 200 --> two hundred bzw. zwo hundert)
  • Glatte Tausender werden auch als solche ausgesprochen (z.B. 4000 --> four tousand bzw. viertausend)

Praxisbeispiele:

 FL300: Flight Level tree hundred
 Squawk 1000: Squawk one tousand
 Heading 290: Heading two-niner-zero
 Visibility 2500: Visibility two tousand five hundred

Frequenzen

Beim Übermitteln von Funkfrequenzen werden die einzelnen Ziffern ausgesprochen mit einem Kommapunkt (als decimal ausgesprochen) nach der dritten Ziffer.

  118.000       One-one-eight decimal zero                    
  118.200       One-one-eight decimal two
  118.050       One-one-eight decimal zero-five
  118.075       One-one-eight decimal zero-seven-five
  118.250       One-one-eight deicmal two-five

Rufzeichen[Bearbeiten]

Piloten:

Jedes Luftfahrzeug meldet sich mit einem individuellen Rufzeichen beim Lotsen. Diese Rufzeichen werden folgendermaßen unterschieden:

  • Company-Callsigns: Das Callsign setzt sich aus dem dreistelligen ICAO-Code der Airline und einer ein- bis vierstelligen Zahl zusammen. Die zweistelligen IATA-Codes haben weder im FLugplan noch im Callsign etwas verloren! Ausgesprochen werden diese Flugnummern folgendermaßen:
  AUA25: Austrian two-five
  DLH874: Lufthansa eight-seven-four
  BCS5706: Eurotrans Five-seven-zero-six

Manche Airlines setzen zur Vereinfachung auch Buchstaben in den Callsigns ein (alphanumerische Callsigns):

  EZY23TB: Easy two-tree Tango-Bravo
  AUA731D: Austrian seven-tree-one Delta
  RYR4AT: Ryanair four Alpha-Tango

Welche Airlines welche ICAO-Codes und Rufzeichen haben, könnt ihr ganz einfach auf Wikipedia herausfinden. Kennt ihr die Flugnummer eures Fluges, dann könnt ihr auf FlightRadar24 das entsprechende Callsign heraussuchen. Viele Callsigns stimmen nämlich nicht mit den Flugnummern überein (z.B. Ryanairflug 1134 Berlin-Barcelona: Flugnummer FR1134, Callsign RYR8V)

  • 5-stellige Flugzeugregistriegung (hauptsächlich bei VFR): OE-KFV, OE-ATM, D-ESMO

Bei geringer Frequenzbelastung können diese Registrierungen auch abgekürzt werden. Diese Abkürzungen dürfen ausschließlich nach Anordnung des Lotsen benützt werden und setzen sich aus dem ersten und den beiden letzten Buchstaben der Registrierung. Aus OE-KFV wird dann O-FV. In einem Sektor dürfen nur dann Abkürzungen für Rufzeichen verwendet werden, wenn keine Verwechslungsmöglichkeiten vorliegen. Unter Umständen kann der Lotse den Piloten anweisen, wieder das vollständige Rufzeichen zu kommunizieren (z.B. wenn andere Flugzeuge mit ähnlichem Rufzeichen im Sektor unterwegs sind).

Lotsen:

Bodenfunkstellen setzen sich grundsätzlich aus dem Namen der Funkstelle und der jeweiligen Position zusammen. Lotsenpositionen werden entweder einem bestimmten Flugplatz (LOWI_TWR), oder einer FIR zugeordnet (LOVV_CTR). Wie diese Bezeichnungen gebildet werden, könnt ihr einem anderen Artikel entnehmen. Die wichtigsten Lotsenpositionen mit ihrer Aussprache sind hier zusammengefasst:

  LOWW_DEL: Wien Delivery
  LOWW_GND: Wien Ground
  LOWG_TWR: Graz Tower
  LOWI_APP: Innsbruck Radar (nicht Approach!)
  LOVV_CTR: Wien Radar (nicht Center!)

In deutscher Sprache werden die Positionen als Rollkontrolle (Ground) und Turm (Tower) bezeichnet, die anderen Stationen werden wie im Englischen ausgesprochen. Es gibt auch noch weitere Bodenfunkstellen, die in weiterführenden Artikeln im Detail beschrieben werden.

Diese Regelungen geltern hauptsächlich in Österreich. In anderen Ländern können ggf. andere Regelungen gelten.

Verfahrenssprechgruppen[Bearbeiten]

Im Sprechfunkverkehr werden festgelegte Begriffe, Wortfolgen und Redewendungen verwendet, um möglichst kurz und eindeutig Informationen zu übermitteln. Diese werden Verfahrenssprechgruppen bzw. Phrasen genannt. Die wichtigsten Phrasen findet ihr hier (Deutsch und Englisch):

  Acknowledge /Bestätigen Sie                Teilen Sie mit, dass Sie die Meldung verstanden haben!
  Affirm / Positiv                           Ja
  Approved / Genehmigt                       Erlaubnis für das beantragte Verfahren
  Break / Trennung                           Ich zeige hiermit Trennung zwischen Teilen der Meldung an. 
                                             Zu benutzen, wenn keine klare Trennung zwischen dem Text und anderen Teilen der Meldung
                                             erkannt werden kann.)
  Break Break / Trennung Trennung            Ich zeige hiermit die Trennung zwischen Meldungen an, die in einer hochbelasteten
                                             Verkehrssituation an verschiedene Luftfahrzeuge übermittelt werden.
  Cancel / Aufgehoben                        Die zuvor erteilte Freigabe ist/wird aufgehoben
  Check / Überprüfen Sie                     Prüfen Sie ein Verfahren/Sytem/etc...
  Cleared / Frei                             Genehmigung, ein Verfahren unter bestimmten Bedingungen auszuführen.
  Confirm / Bestätigen Sie                   Haben Sie die Meldung verstanden? Habe ich die Meldung richtig verstanden?
  Contact / Rufen Sie                        Stellen Sie eine Funkverbindung her mit ...
  Correct / Korrekt                          Das ist richtig
  Correction / Berichtigung                  Bei der Übermittlung ist ein Fehler unterläufen, richtig müsste es heißen ...
  Disregard / Ignorieren Sie                 Betrachten Sie diese Sendung als nicht übermittelt
  Go ahead / Kommen                          Setzen Sie ihre Meldung ab
  How do you read / Wie verstehen Sie?       Wie ist die Verständlichkeit meiner Sendung
  I say again / Ich wiederhole               Ich wiederhole die Meldung zum besseren Verständnis
  Monitor / Monitor                          Hören Sie [Frequenz] ab
  Negative / Negativ                         Nein / Erlaubnis ist nicht erteilt
  Over / Kommen                              Meine Sendung ist beendet; ich erwarte eine Antwort
  Out / Ende                                 Meine Sendung ist beendet; ich erwarte keine Antwort
  Read back / Wiederholen Sie wörtlich       Wiederholen Sie die Meldung wörtlich
  Recleared / Freigabeänderung               Es hat sich eine Änderung Ihrer Freigabe ergeben
  Report / Melden Sie                        Geben Sie mir folgende Informationen 
  Request / Erbitte                          Ich beantrage / Ich möchte wissen
  Roger / Verstanden                         Ich habe Ihre letzte Meldung erhalten
  Say again / Wiederholen Sie                Wiederholen Sie alles oder einen genannten Teil der vorangegangenen Meldung
  Speak slower / Sprechen Sie langsamer      Verringern Sie Ihre Sprechgeschwindigkeit
  Squawk / Squawk                            Schalten Sie Transponder auf [Charlie, Standby, 1000, 7000, etc.]
  Standby / Standby                          Warten Sie, ich werde Sie zurückrufen
  Wilco / Wilco                              Ich habe Ihre Meldung erhalten und werde dementsprechend handeln
  Words twice / Worte doppelt                Die Verständigung ist schwierig. Bitte senden Sie jedes Wort/Phrase doppelt.

Wie diese Phrasen konkret verwendet werden und vieles mehr findet ihr hier

Clearance, Instruction, Readback[Bearbeiten]

Je nach Wichtigkeit der Meldung müssen im Flugfunk vollständig oder teilweise zurückgelesen werden. Meldungen lassen sich grunsätzlich folgendermaßen einteilen:

  • Freigaben (engl. clearance):

Eine Freigabe ist eine Erlaubnis, etwas zu tun. Das Schlüsselwort lautet "cleared..."

  Lufthansa 9V, wind 310 degrees 13 knots, runway 29, cleared for take-off.
  Ryanair 337P, turn left heading 130, cleared ILS approach runway 10L.
  • Anweisungen (engl. instruction):

Eine Anweisung beinhaltet eine Aktion, die ohne Verzögerung auszuführen ist. Alle Anweisungen sind in der Befehlsform (Imperativ) formuliert. Wenn der Lotse die Einleitung "expect..." verwendet, ist das nicht als Freigabe bzw. Anweisung, sondern als Information anzusehen!

  Emirates 24, turn left heading 240, descend FL160.
  • Informationen (engl. information):

Informationen werden immer dann gegeben, wenn sie zur Verbesserung der Flugdurchführung bzw. zur Sicherheit des Flugbetriebs beitragen. Das können Verkehrsinformationen, Wetterinformationen etc. sein. Genaueres findet ihr im Artikel Verkehrsinformationen.

  OEKFV, traffic on your 12 o'clock position, Airbus A320 on short final runway 34.
  Austrian 123, wind check 060 degrees 12 knots.
  Speedbird 700V, Information Bravo, expect runway 34.

Alle Freigaben und Anweisungen, die eine Aktion des Pilot in Command verraussetzen, sind wortwörtlich zurückzulesen! Das beinhaltet: Routenfreigaben; Start-, Lande- und Rollfreigaben; die zu erwartende Landebahn; Höhenmessereinstellungen; Transpondercodes; Höhen-, Geschwindigkeits- und Kursanweisungen.

Wenn euch der Lotse bittet, euch bei einem Ausführen einer Anweisung wieder bei ihm zu melden, dann ist diese Meldung mit Wilco zu quittieren. Beispiele:

  ATC: Austrian 457V, report passing 2000ft.
  Pilot: Wilco, Austrian 457V
  ATC: OEKFV, join traffic pattern runway 29, report downwind. 
  Pilot: Joining traffic pattern runway 29, wilco, OEKFV.